
Ein schwieriges Verhältnis plagte die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihren Künstlern, denen, die im Land geblieben, sich vielleicht auch dem Regime angedient hatten, aber auch mit denen, die ins Exil gegangen waren. So wie Thomas Mann, von dessen Rückkehr nach Deutschland der polnische Regisseur Pawel Pawlikowski in seinem stilistisch markanten Film VATERLAND erzählt, der in Cannes mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet wurde und Ende Juni des Filmfest München eröffnete.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begeben sich Literaturnobelpreisträger Thomas Mann (Hanns Zischler) und seine Tochter, die Schauspielerin, Autorin und Kabarettistin Erika (Sandra Hüller), auf eine Reise durch ein Deutschland in Trümmern – von Frankfurt in der amerikanischen Besatzungszone bis ins sowjetisch kontrollierte Weimar. Zum Goethe-Jubiläum wünscht man sich auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze Worte des Trostes, der Zustimmung und der Vergebung vom größten aller Erzähler. Zwischen euphorischen Wagner-Erben und literarisch versierten Generälen wird Deutschlands wichtigster Schriftsteller hofiert und manchmal auch beschimpft, während das Drama seiner eigenen Familie leise eskaliert. Es ist das erste Mal seit dem Krieg, dass Thomas Mann in sein Heimatland zurückkehrt, aus dem er einst ins Exil geflohen war. Eine Reise in die verwundete deutsche Seele, die heilen soll – sie wird für Erika und den Zauberer, wie seine Kinder Thomas Mann oft nannten, zu einer Reise ins Innerste.
Nach dem Oscar-prämierten IDA und dem vielfach ausgezeichneten Drama COLD WAR – DER BREITENGRAD DER LIEBE erzählt Pawel Pawlikowski in überragenden Kinobildern eine große deutsche Familiengeschichte im Tumult der Nachkriegszeit. Mit zarter Unerbittlichkeit überblendet VATERLAND den Nullpunkt der deutschen Geschichte mit dem Finale einer Familiensaga.
Polen, Deutschland, Italien, Frankreich 2026; Regie: Pawel Pawlikowski;
mit Hanns Zischler, Sandra Hüller, August Diehl, Devid Striesow u.a.;
Länge: 80 Min.