
Einmal nach Syrakus und zurück – davon träumt Paul Gompitz. Mit einer Reise nach Sizilien will er auf den Spuren des Dichters Johann Gottfried Seume wandeln. Da gibt es nur ein Problem: Wir schreiben das Jahr 1982 und Paul lebt in der DDR. Alle Versuche, eine offizielle Genehmigung für seine Ausreise zu bekommen, scheitern.
Eine Besuchsreise zu seiner Cousine? Die Mitgliedschaft in der Liga für Völkerfreundschaft? Eine Studienreise? Alles wird abgelehnt! Was bleibt ihm anderes übrig? Paul muss seine Flucht planen. Was die Sache nicht einfacher macht: Er will danach auch wieder nach Hause zurück. Zurück nach Rostock, zur Ostsee, zu seiner Frau Anne.
Paul ersinnt einen verwegenen Plan … Er lernt segeln, studiert Navigation, sammelt Westgeld und bereitet monatelang eine gefährliche Überfahrt vor. Schließlich gelingt ihm die Flucht über die Ostsee nach Dänemark. Von dort reist Paul durch Westdeutschland und über die Alpen nach Italien. Er erlebt erstmals Freiheit und lernt neue Menschen und Orte kennen, fühlt sich aber zunehmend einsam, weil Anne ihm fehlt. Währenddessen fällt 1989 die Berliner Mauer. Damit wird Pauls gefährliche Flucht plötzlich von der politischen Entwicklung überholt.
Regisseur Lars Jessen erzählt in SPAZIERGANG NACH SYRAKUS von unstillbarer Sehnsucht und großem Mut, von tiefer Liebe und inniger Loyalität – und vom Wunsch, die Welt zu sehen, ohne die Heimat zu verlieren.
Der Film entstand nach Motiven des Romans „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ von Friedrich Christian Delius, der wiederum auf der realen Flucht von Klaus Müller beruht. Mit feinem Humor und großen Emotionen blickt der Film auf deutsche Geschichte – und verhandelt dabei erstaunlich gegenwärtig das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Zugehörigkeit sowie die Frage, wie weit man gehen kann, ohne den anderen zu verlieren.
Deutschland 2026; Regie: Lars Jessen;
mit Charly Hübner, Lina Beckmann, Thorsten Merten, Bruno Di Chiara, Jens Münchow, u.a.;
FSK 6; 98 Min.