
Film zum CHRISTOPER STREET DAY
Mit unnachgiebiger Gründlichkeit schildert Regisseur Pârvu das soziale Klima eines Dorfs in Rumänien im Donaudelta, wo archaische Homophobie und Fremdenfeindlichkeit herrschen. Der mit maximalem Minimalismus eindrucksvoll inszenierte Coming-of-Age-Thriller wurde 2024 in Cannes mit der „Queer Palm“ prämiert.
Der 17 Jahre alte Adi will den letzten Sommer in seiner Heimat noch einmal genießen, bevor er aus dem kleinen rumänischen Dorf im Donaudelta in die Hauptstadt Bukarest zieht.
Doch seine Welt wird von einem Moment auf den anderen unerträglich eng. Durch einen homophoben Übergriff wird Adi vor seinen bisher ahnungslosen Eltern geoutet, die alles andere als empathisch reagieren – ganz im Gegenteil. Sie riegeln Adi von der Außenwelt ab, rufen den Dorfpriester herbei und wollen sich mit dessen Hilfe seiner „Sünde“ entledigen. Auch auf die örtlichen Behörden ist kein Verlass. Nur Adis beste Freundin Ilinca steht noch an seiner Seite.
Pârvu schildert das Milieu provinzieller Engherzigkeit und Bigotterie mit unerbittlicher Genauigkeit. Er verdichtet das soziale Klima so sehr, dass es gar glaubhaft wirkt, wenn Florin folgenden ungeheuerlichen Satz über seinen Sohn sagt: „Ich habe ihn gezeugt, ich kann ihn töten.“ Rettung kann eigentlich nur von außen kommen. Eine Beamtin vom Jugendamt tritt auf den Plan. Als die Kamera sie einmal im Vordergrund in der Unschärfe hält, während Adis Vater und der Polizeichef tiefenscharf zu sehen sind, gewinnen indes die Machtverhältnisse Kontur.

Rumänien 2024; Regie: Emanuel Pârvu;
mit Ciprian Chiujdea; mit Bogdan Dumtrache, Laura Vasiliu, Valeriu Andriutâ, Ingrid Micu-Berescu; u.a.; Länge: 105 Min
Trailer - https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/drei-kilometer-bis-zum-ende-der-welt-2024