May December

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27 Jul
20:00 UHR

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May December

Zwei sensationelle Stars in einem sensationellen Melodram von Todd Haynes. Natalie Portman und Julianne Moore spielen hintergründig und mit perfidem Witz zwei Frauen, die sich unter ganz besonderen Umständen kennenlernen: Die eine – Elizabeth Berry (Natalie Portmann) – spielt eine Schauspielerin, die die andere – Gracie Atherton-Yoo (Julianne Moore) – in einem Spielfilm verkörpern soll. Denn Gracie ist nicht nur Ehefrau und Mutter, sondern sie hat für ihre Liebe zu einem 13-jährigen viele Jahre im Gefängnis gesessen. Seitdem sind viele Jahre vergangen, und die beiden sind schon lange verheiratet. Doch die Verfilmung von Gracies Leben rührt so einiges wieder auf, und Elizabeth ist alles andere als zurückhaltend, wenn sich die Gelegenheit bietet, in schlecht verheilten Wunden zu bohren.

MAY DECEMBER – das bedeutet im Englischen die Verbindung eines Paares mit großem Altersunterschied – hier also der junge Joe und die deutlich ältere Gracie. Aber dieses Thema steht eigentlich gar nicht im Vordergrund und noch weniger die juristischen Einzelheiten. Vielmehr geht es zunächst vorrangig um die Beziehung zwischen Gracie und Elizabeth. Todd Haynes, spätestens seit CAROL (2015) der Spezialist für komplizierte Frauengeschichten, stattet seinen neuesten Film mit einer formidablen Thriller-Atmosphäre aus. Die Musik, die Schnittführung, die Kamerapositionen … kurz: die gesamte Dramaturgie erinnern stark an einen Thriller. Von Anfang an liegen Vorahnungen in der Luft, eine unterschwellige Spannung, die sich immer mehr steigert. Was wird geschehen? Dieser Umgang mit Suspense erinnert einerseits an den Altmeister Alfred Hitchcock, aber auch an große französische Filme der 60er und 70er Jahre. Er spielt mit den Erwartungen des Publikums, lässt die Fäden mal etwas lockerer, um sie gleich darauf wieder anzuspannen. Er serviert die komplizierte Geschichte quasi häppchenweise, lässt es aber vollkommen im Unklaren, was noch alles geschehen könnte und wie die ganze Sache ausgeht. Es gibt lediglich immer wieder Andeutungen, die Todd Haynes mit einer Art augenzwinkernder Ironie serviert.
Eines ist klar: Es geht hier nicht oder nicht nur um die Vergangenheit, um das, was damals zwischen Joe und Gracie passiert ist, sondern auch um die Gegenwart – also um die Ehe zwischen dem immer noch jungen Mann und seiner 25 Jahre älteren Frau, um ihre Familie und um die Basis ihrer Beziehung, insgesamt im Spiegel und aus dem jeweiligen Blickwinkel von Gracie und Elizabeth betrachtet.


USA 2023; Regie: Todd Haynes;
mit Natalie Portman, Julianne Moore, Charles Melton, Cory Michael Smith, Piper Curda, Elizabeth Yu; Länge: 113 Min:; FSK 12