
„Ich glaube, dass sie getötet worden ist. Aber von wem und wieso?“, fragt Protagonistin Lilian Steiner ihren Ex-Mann im Halbdunkel eines Pariser Cafés. Soweit verraten wir nicht zu viel: Sie wurde getötet! Die zweifache Oscar-Preisträgerin Jodie Foster mimt brillant, präzise und mit großer charakterlicher Tiefe die Pariser Psychiaterin Lilian, die sich nach dem Tod ihrer langjährigen Patientin unversehens in der Rolle der Ermittlerin wiederfindet.
PARIS MURDER MYSTERY erscheint zunächst als eleganter Thriller. Doch leise beginnt sich etwas zu verschieben. Szene für Szene lässt Foster diese Lackschicht abplatzen.
Darunter liegt der rohe Kern: Vertrauen, Wahrnehmung und eine Hauptfigur, die langsam den Boden unter den Füßen verliert. Wer es war, wird fast unwichtig.
Lilian Steiner, eine seit Jahren in Paris lebende Amerikanerin, hört Menschen zu. Sie kennt ihre Sorgen, analysiert ihr Handeln, ordnet ihre Ängste. All das, so scheint es anfangs, hat Steiner selbst nicht. Kontrolliert, kühl, der eigenen Fehlerlosigkeit gewiss, verkörpert Foster zu Beginn des Films die Therapeutin, die in ihrer luxuriösen Pariser Wohnung Hof hält.
Wenn man ganz ehrlich ist, hört Lilian gar nicht immer zu. Immerhin hält sie Blickkontakt – und zwar sehr würdevoll und unantastbar. Mit dem angeblichen Selbstmord einer langjährigen Patientin bekommt die kühle Fassade erste winzige Haarrisse. Regisseurin Rebecca Zlotowski beobachtet, wie Lilian Steiner zu zweifeln beginnt, wie Gewissheiten schwinden. Kurze unsichere Blicke, ungesagte Worte, ein Fältchen mehr sind die ersten Spuren, die der beginnende Zweifel hinterlässt.
Zlotowski entwirft einen mutigen Genremix, der nur Gestalt annehmen kann, weil ein Ensemble ohne Angst vor Brüchen die Sprünge zwischen den Tonlagen mitgeht. Thriller-Drehbuch, feiner Humor, Momente irritierender Komik, halluzinatorische Phasen und Sex mit dem Ex bilden die Bühne, auf der große Themen verhandelt werden: Schuld, Vertrauen, Projektion und am Ende sogar die Frage, ob man nicht in einem früheren Leben womöglich eine lesbische Jüdin war.
Frankreich 2025; Regie: Rebecca Zlotowski;
mit Jodie Foster, Daniel Auteuil, Virginie Efira, u.a.;
FSK 12; Länge: 107 Min.
Trailer - https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/paris-murder-mystery-2025