Rickerl – Musik is höchstens a Hobby

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Rickerl – Musik is höchstens a Hobby

12 Apr
20:00 UHR

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Rickerl – Musik is höchstens a Hobby

Die melancholische Komödie um einen Künstler, der sich mit Straßenmusik und Mini-Auftritten gerade so über Wasser hält, ist im Grunde eine Hymne an die Kunst und an alle, die sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten, weil sie von ihrer eigentlichen Berufung nicht leben können. Wenn es jemals einen Preis für die beste Schlussszene geben sollte, Regisseur Adrian Goiginger hätte ihn verdient. Und das Schöne ist, dass sie in der Beschreibung nichts von dem verliert, was sie auf der Leinwand auszeichnet. Dort sitzt ein kleiner Junge im Pyjama auf dem Bett und spielt ein eigenes Lied auf der Gitarre. Mehr nicht. Und doch findet sich in dieser Szene der Kern eines Films, der von der komplexen Beziehung zwischen Vätern und Söhnen, Männern und Frauen und der bedingungslosen Liebe zu einer Musik erzählen will, die etwas despektierlich Austropop genannt wird.

Rickerl (Voodoo Jürgens) ist ein eigentümlicher, drastischer und in allem ehrlicher Liedermacher, der zwar in seinen Liedern aufgehen kann, jedoch nicht in der Lage ist, sie zum Erfolg zu führen. Statt ein Radiointerview zu geben, geht er lieber mit seinem Sohn in den Park. Er ist eine Seele von Mensch. Wenn nur dieser Hang zur Melancholie nicht wäre. Der ist beim Rickerl geradezu geschäftsschädigend, weil er nämlich Liedermacher ist, in Wien, noch dazu. Und in Wien wollen die Menschen keine melancholischen Songs hören, melancholisch sind sie selbst.

Gründe für die Melancholie vom Rickerl gibt‘s viele, der gewichtigste Grund dürfte der Dominik sein, Rickerls kleiner Sohn, den er abgöttisch liebt. Aber den Dominik darf Rickerl nur alle zwei Wochen am Wochenende sehen, weil er nämlich die Beziehung zu Viki, Dominiks Mutter, dermaßen vor die Wand gefahren hat, dass die jetzt ihren neuen Freund heiraten will. Und das nagt ganz gewaltig am Rickerl, wie so vieles. Übrigens gibt’s den Rickerl gar nicht, sondern er ist eine Kunstfigur, die total kongenial vom Wiener Liedermacher Voodoo Jürgens gespielt wird. RICKERL ist nicht einfach nur ein Film über einen fiktiven Liedermacher, der sich fortwährend selbst im Weg steht. RICKERL ist auch ein Film über die schier unüberwindlichen Hürden des Künstlerdaseins.

Adrian Goiginger, der schon mit seinem Kinoerstling DIE BESTE ALLERWELTEN auf der Berlinale 2017 für Furore sorgte, hält auch in seinem vierten Kinofilm das hohe Niveau: ein feines Kinoerlebnis.


Österreich/Deutschland 2023; 
Regie: Adrian Goiginger, mit Voodoo Jürgens, Agnes Hausmann, Nicole Beutler; 
Länge: 110 Min; FSK12