SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK?

SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK?

Nein, glaubt er natürlich nicht! Drowak glaubt an die zwingenden Fakten des Lebens: Schnaps, Pisse, Siechtum und den unausweichlichen T od. Doch der Engel, der in Gestalt der lebensfrohen, fast naiven Studentin Lena vom Amt in sein Leben entsendet wird, ist bald keine Frage des Glaubens mehr. Luna Wedler spielt Lena, den Engel, und Karl Markovics spielt Drowak, den Misanthropen. Es ist eine wahre Freude, Wedler und Markovics dabei zuzusehen, wie sie um Hugo Drowaks Seele ringen.

Es ist eine dystopische Stadt, durch die Lena, Studentin der Germanistik und des Puppenspiels, radelt. Plattenbauten, Klaustrophobie. Ab und an saust am oberen Bildrand eine Schwebebahn vorbei. Im „Amt“ angekommen, lädt der Amtsleiter zum Vorstellungsgespräch. Wahnhaft, surreal, zirkusdirektorartig – Lars Eidinger muss das vermutlich gar nicht spielen.
Der Job, um den es geht, ist die Teilnahme am Projekt „Gewaltfrei und tolerant durch Kreativität“. Bald wird klar, dass dem einzigen Zögling, dem dieses Projekt angedeihen soll, ein gerüttelt Maß an Gewaltfreiheit und Toleranz nicht schaden würde. Hugo Drowak vegetiert saufend und Pissbomben auf Behördenvertreter werfend in seiner prekären Wohnwabe dahin.
Sein Leben war sicher nicht ohne Irrungen und Wirrungen. Doch inzwischen scheint es keine Rolle mehr zu spielen. Drowak befindet sich auf der Zielgeraden. Und dann bimmelt Lena an seiner Tür. Drowak hat die Abwehr solch dreister Annäherung über Jahrzehnte perfektioniert. Ein paar üble Beschimpfungen und etwas Ekel, dann wird das junge Ding schon wieder verschwinden. Doch Lena bleibt, kommt wieder und lässt den Alten nicht mehr in Frieden, und wir sehen zu, wie ein winziges Pflänzchen der Freundschaft zu sprießen beginnt.
Auf der Schreibmaschine von Lenas Urgroßvater beginnt Drowak Gedichte zu schreiben. Man ahnt, dass sie seit ewigen Zeiten tief in Drowaks Trinker-Hirn eingeschlossen sind. Die Welt soll sie nicht kennen und Drowak selbst will sie nicht antasten: Alte Liebe, Verzweiflung und Verletzung liegen dort, sind die Leichen in Drowaks Keller.
Das könnte ziemlicher Kitsch sein, aber Regisseur Nicolas Steiner gelingt in seinem ersten abendfüllenden Spielfilm eine wunderbare Tiefe. Kamera, Szenenbild, Kostüm und nicht zuletzt sein Händchen für filmische Zitate machen SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK? zu etwas Besonderem. Vor allem aber ist es wahrlich ein Gedicht, wie Luna Wedler und Karl Markovics über Licht und Schatten in den Dialog treten, wie sie Himmel und Hölle versöhnen wollen. Eine Tragikomödie im allerbesten Sinn.


Deutschland/Schweiz 2025; Regie: Nicolas Steiner;
mit Luna Wedler, Karl Markovics, Lars Eidinger u.a.;
FSK 12; Länge: 127 Min.

Trailer - https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/sie-glauben-an-engel-herr-drowak-2025

 
Sa., 30. Mai 2026 20:00 UHR

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